![]() zu den Törnberichten Mit der SY "TROUBLE" nach Russland. |
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Mit der TROUBLE nach St. Petersburg
-Teil 2- Samstag, der 17. Juli - das Wetter ist passabel, für mich gibt es ein einsames Frühstück, denn Werner ruht sich noch von den anstrengenden Gesprächen des Vorabends aus. Heute wollen wir einen orthodoxen Gottesdienst in der Nikolai Kathedrale besuchen. Unsere Zahlungen für die Ausflüge sind inzwischen von Tatjana ermittelt und von ihr telephonisch bekannt gegeben worden. Für jedes Boot hat sie 300 € berechnet. Um 9:15 Uhr brechen wir auf, die Taxihaltestelle für die Linie 62 zu finden. Das große Suchen und Fragen beginnt, keiner weiß Bescheid und jeder hat eine andere Vermutung. Als eines erscheint stehen wir gerade günstig und kommen auch noch alle hinein. Anhand des Stadtplans verfolge ich die eingeschlagenen Fahrtrouten, es gelingt, genau vor der Kirche anzukommen. Auch als andächtige Zuhörer und Gottesdienstteilnehmer haben wir 60 Rubel pro Person zu entrichten, hören dafür einen wundervoll singenden Chor und einen „Vermittler“ mit einer alles durchtönenden gewaltigen Bassstimme. In einem kleinen Imbiss besprechen wir die geplanten Unternehmungen des weiteren Tages. Eike, Helmut und Werner sind für einen Bummel auf den Newski Prospekt verbunden mit einem Kaufhausbesuch. Ich möchte in die Eremitage. Zurück an Bord kommt die Abrechnung mit Tatjana Bykowa und die Bestätigung, dass wir Morgen um 9 Uhr ausklarieren werden. Für uns hat damit die viel zu kurze Zeit in St. Petersburg ein Ende – Eike und Helmut bleiben noch – es lohnt sich dort jeder Tag, noch mehr jedoch, sehr viel Zeit für einen Besuch zu haben. Zum letzten Abend kommen Eike und Helmut auf unser Boot. Es ist Sonntag, 7 Uhr aufstehen, ein blauer Himmel lacht , das Waschen erfolgt unter russischen Militärsportbedingungen mit dem Wasserschlauch. Tatjana liefert nicht, wie versprochen, den Wetterbericht und mit dem Handy lässt sich keine Internetverbindung aufbauen. 100 Seemeilen, ohne die Möglichkeit anzulegen, liegen vor uns. Um 9:30 Uhr erscheint Tatjana verspätet am Zollanleger. Es sieht gut aus, kurz vor 10 Uhr erscheint sie wieder und zieht mit Werner und allen Papieren von dannen. Das Bearbeiten geht diesmal schneller, wir legen ab und verlassen den St. Petersburger Hafen. Jetzt erhalten wir eine SMS von Werners Freunden – klar zu hause war es ja auch erst 5 Uhr früh am Sonntag! W 1-2, ungünstig aber nicht zu ändern und auch kein echtes Problem. Während der 20 Seemeilen nach Kotlin bläst der Wind immer härter, die Wellen machen der Maschine schwer zu schaffen – von wegen leichter Westwind – sch.......Wetterbericht, Werner ist „not amused“. An der Passkontrolle können wir in Lee anlegen, von da ab heißt es Kreuzen, hin und her über die stark befahrene Schiffsroute. So geht es bis in die Nacht. Der Wind flaut ab, den weiteren Weg legen wir unter Maschine zurück, auf der Backbordseite der Schiffsroute. Nachts treffen wir direkt auf unserem Kurs eine mit blauem Blinklicht versehene Großtonne, die nicht in der Karte vermerkt ist, ob ihrer Größe jedoch dort unbedingt hingehört. Nach Sonnenaufgang, um 4:15 Uhr, fängt es auch an wieder zu regnen. Ab 8 Uhr setzen wir Segel, zwischenzeitlich nervt die russische Küstenwache über Funk. Gegen 12 Uhr liegen wir nach dem Einklarieren wieder in dem schönen kleinen Naturhafen in Haapasaari und gehen als Duschersatz erst mal baden. Die Feststellung, jetzt geht der Urlaub an, sollte sich für den Rest des Törns bewahrheiten! Die Sonne sticht, Cirren zeigen sich am Himmel, die nächste Wetterverschlechterung kündigt sich an, hoffentlich gibt es keinen Westwind. Werner hat für Morgen die Route festgelegt, es geht nach Lovissa, ca. 50 sm von hier. Dienstag, der 20. Juli. In der Nacht hat es stark gestürmt, jetzt fängt es an zu nieseln. Werner ist schwer aus der Koje zu holen, die Wetterentwicklung schmeckt ihm gar nicht, obwohl Ostwind ist, genau die optimale Richtung. Nach dem Frühstück wird zum Aufbruch geblasen. Die Regenschauer sind beendet, Benzin getankt, Ausklarieren nicht notwendig, ein bisschen blauer Himmel zeigt sich. Der Wind bläst recht ordentlich. Wir laufen 5-6 Knoten, für hart am Wind und mit maximal durchgesetzten Segeln ganz passabel. Der Wind frischt weiter auf und erreicht 6 Bft, die Wellen bauen sich auf, wir müssen die Genua etwas reffen. Die inzwischen erreichte Schräglage bringt mehr Unbequemlichkeit und Ruderdruck als noch mehr Fahrt. Am Nachmittag flaut der Wind wieder ab, in Sichtweite von Lovissa müssen wir schon die Maschine zur Hilfe nehmen. Beim Segelbergen fällt Werner die Brille von der Nase und verschwindet auf nimmer Wiedersehen in der Hafenzufahrt. Trotz dieser „Behinderung“ gelingt das Anlegen an der Pier mit Heckboje tadellos. Es ist ein schön gelegener Hafen, vorbildliche Einrichtungen und in der Hafengebühr von 8 € ist Duschen eingeschlossen. Abgeschlossen wird dieser ereignisreiche Tag mit einer Flasche Rotwein. Die Helden sind müde und gehen früh zu Bett. Der nächste Tag fängt gut an, die Sonne scheint, die Duschen sind einsame Spitze, das Frühstück findet im Cockpit statt, so stellen wir uns Urlaub vor, so ist Urlaub. Heute geht es wegen des ausbleibenden Windes unter Maschine nach Borga, durch die Schären, es verspricht landschaftlich interessant zu werden. Eine wunderschöne Fahrt durch die Schären beginnt bei Sonnenschein, die Fahrwasser sind gut betonnt, doch ohne die notwendige Aufmerksamkeit und Kontrolle auf der Seekarte ist man ganz schnell verratzt. Um 18 Uhr erreichten wir den Hafen, einen gut besuchten Ort mit viel Bautätigkeit im Hafenbereich. Da noch früh am Tag, schlage ich eine Stadtbesichtigung in dem zweitältesten Städtchen Finnlands vor. Am Fluss gibt es eine Reihe gleichartig gestalteter, rotbraun gestrichener, alter Fischerhäuser als besondere Attraktion des Ortes. Wir sind das einzige deutsche Boot, ein Schwede ist noch da, alles andere trägt finnische Flagge. Gestört haben uns die am Liegeplatz recht flott vorbeifahrenden vielen Motorboote, die erheblichen Schwell erzeugen. Am nächsten Tag ist der Himmel bewölkt, es sieht aber nicht nach Regen aus, im Gegenteil, es wird als Bestätigung des gestrigen Abendrots blauer Himmel sichtbar. Nach Dusche und Frühstück legen wir unser heutiges Ziel fest. Wir wählen eine Route vorbei an der Insel Katajonika nach Helsinki, 28 sm von hier. ![]() Um 14:30 Uhr legen wir im Stadthafen von Helsinki an, nachdem wir 10 Minuten vor einer überraschend zu Gesicht gekommenen, niedrigen Brücke warten mußten, die sich erleichtert als Drehbrücke entpuppte, welche alle 30 Minuten die Segler passieren läßt. Der Hafen liegt unmittelbar an der Ostseite der Altstadt bei der Ispensky-Kathedrale. Von dort kommt man über eine kleine Brücke direkt auf den Markt und die zentrale, von Ost nach West verlaufende „Planadi“ mit einem Mittelteil, der Fußgängerzone mit Rasen, Bänken und vielfältigen Musikdarbietungen. Die „Flaniermeile“ verläuft vom Präsidentenpalast und Stadthalle mit davor liegendem Marktplatz bis zur Akademischen Buchhandlung. Zwischendurch machen wir einen Abstecher zum Senatsplatz mit Dom und davor stehendem, quadratisch angelegtem Denkmalsplatz. Der Dom, ein quadratisch wirkender, mächtiger Kuppelbau in weiß und hellgrau mit Korinthischen Säulen und patinagrünem Kuppeldach erhebt sich mit ca. 30 begehbaren Stufen hoch über die umliegenden Gebäude des Senatsplatzes. Im Inneren sind in den vier Ecken unter der zentralen Kuppel die Hauptvertreter des Protestantismus in Lebensgroßen Skulpturen aufgestellt, Luther, Melanchthon, Calvin und Agricola. Von dem Domeingang hat man einen weiten Blick in Richtung Stadthafen. Im Norden der Altstadtinsel liegt das riesige Bahnhofsgebäude im finnischen Bauhausstil mit angegliedertem hohen Uhrenturm, der den an sich schon hohen Hallenbau (Kopfbahnhof) um das Doppelte überragt. Auf dem Markt, der bei unserer Ankunft in Helsinki noch im Gange ist, kaufen wir Kartoffeln, Zwiebeln und Tomaten für unser Abendbrot. Freitag, der 23. Juli – Wäsche waschen, dann ab 11 Uhr beginnt unser großer Spaziergang durch die Altstadt von Helsinki auf den Spuren der russischen Herrschaft von 1708 bis 1918 und aus der davor liegenden Schwedenzeit. Um 16:15 Uhr kehren wir müde und erschöpft von dem Aufgenommenen auf unser Boot zurück. Der Gesamteindruck: Helsinki ist eine sehr lebendige Stadt, im Stadtkern sehr viele Jugendstilhäuser, repräsentative Gebäude aus der Zarenzeit. Hier kann praktisch jeder mit der englischen Sprache für den allgemeinen Gebrauch umgehen. Nach der Akademischen Buchhandlung zu schließen, ist der Bildungsstand durchschnittlich höher als bei uns. Kein Wunder, es ist ein Kinder reiches, aber insbesondere ein Kinder freundliches Land, selbst in den Marinas ist für diese in den Serviceräumen durch Mobiliar, Spiele und Geräte gesorgt. Die Preise sind praktisch wie bei uns, Zahlungsmittel ist der Euro, hier sind die Finnen auch vorbildliche EU-Mitglieder. Das Kurstauschen, wie in Dänemark, entfällt und damit auch der Schnitt der Banken. Die sanitären Einrichtungen sind selbst in den kleinsten Marinas vorbildlich. Die Abreise am nächsten Tag aus Helsinki bei nicht mehr ganz so sonnigem Wetter soll uns weiter nach Westen bringen, Ziel ist Inkoo. In der Nacht regnet es sehr stark. Um 16 Uhr erreichen wir unter Segeln den Hafen von Inkoo. Nach dem Essen machen wir einen Spaziergang rund um die alte Kirche aus dem 13. Jahrhundert. Natürlich ist sie, wie so häufig, geschlossen. Sie ist einfach und schlicht aus großen Feldsteinen gefügt. Zum Schiff zurückgekehrt beginnt der Regen des sich durch fernen Donner schon angekündigten Gewitters. Er hält bis zum Abend an und zwingt uns zu einem frühen Aufsuchen der Schlafplätze, was uns, da doch rechtschaffen müde, nicht schwer fällt. Abwechslung, wie in Helsinki, sucht man hier vergebens, hier ist hinterste Provinz, so bleibt nur die eigene Bordunterhaltung via Radio. Heute am Sonntag ist der Himmel bewölkt, es fällt aber kein Regen, das ist doch auch schon was Positives. Werner möchte gleich los, er befürchtet wohl eine Wetterverschlechterung und im letzten Teil der Heute vorgesehenen Fahrt nach Hankoo verlassen wir die Deckung der Schären und sind den Wellen des Meeres direkt ausgesetzt. Das Wetter hält sich, wird sogar gegen Abend schön. Wie aber bereits befürchtet, machen uns die Wellen zu schaffen, sie bremsen die schon durch den ständigen Gegenwind belastete Motorfahrt zusätzlich. Nichts desto Trotz erreichen wir Hanko gegen 18:30 Uhr. Der Hafen ist gut belegt, unser erstes Plätzchen können wir trotz starken Windes gut anfahren, nur haben wir die Rechnung ohne ausreichend lange Heckleine gemacht, dicht vor dem entscheidenden Sprung an Land geht es wieder zurück. Der Bojenhaken hing mit auf dem Wasser schwimmender Heckleine an der Boje und kann gerade noch wieder an Bord geholt werden. Na, ein zweites Mal hier nicht. Wir finden eine andere freie Stelle, die zwar reserviert erscheint, uns vom Hafenmeister als Bleibe aber genehmigt wird. Montag, der 26. Juli. Der Himmel ist bewölkt, aber mit einer Tendenz zu einem bedingt sonnigen Tag. Der Wind weht aus W bis SW, was für unsere Weiterfahrt nicht günstig ist, also Warten. Der Tag wird zu einem ausgiebigen Spaziergang durch den Ortskern von Hankoo genutzt, wobei der Ausguck vom roten Wasserturm – mit dem Aufzug – Anregungen gibt. Auf dem Weg besuchen wir ein angetroffenes kleines Café d. h. es ist mehr eine Bäckerei mit angeschlossener Sitzmöglichkeit sowohl Innen als auch Außen. Hier ist Gelegenheit zu einer Tasse Kaffee bzw. Kakao und einem Stück Kuchen zusammen zu einem Provinzpreis von 6 €. Der Tag klingt aus mit Bericht schreiben, Kartenstudium und Wetterbericht im Internet anschauen. Er stellt uns für die nächsten Tage günstige Windprognosen. Wegen der gestrigen Entscheidung, den morgigen besseren Wind abzuwarten, war Ausschlafen angesagt, der Tag beginnt daher heute um 9:30 Uhr. Wegen der fortgeschrittenen Zeit sind die Duschen kalt, es ist schon leicht heroisch, unter diesen Bedingungen die morgendliche Dusche zu akzeptieren. Nachdem sich der Wind nun endlich auf unseren Kurs eingestellt hat, verlassen wir um 18 Uhr den Hafen mit dem neuen Ziel Visby auf der schwedischen Insel Gotland. Der längste Schlag mit über 200 Seemeilen liegt vor uns. Es ist bewölkt, der Wind kommt aus NO mit Stärke 3, die See ist mäßig bewegt, etwa einen halben Meter hoch. Im Gegensatz zu den Nächten bei der Hinfahrt wird jetzt die Nacht richtig dunkel, zumal sie für uns durch die Rückstellung der Uhr auf MESZ eine Stunde länger dauert. Ein Hochdruck ist im Wetterbericht angesagt und was passiert? Es regnet, anfangs erst zaghaft, später entwickelt sich ein richtiger Dauerregen. Die Sonne ist tieforangerot im Meer versunken. Auf dem weiten Wasser sind wir allein, kein Schiff, kein Segler weit und breit. Gegen Morgen hört der Regen auf. Es ist mittlerweile 11 Uhr und noch 100 NM bis Gotland. Nachmittags lösen sich die Wolken auf, es erscheint das klassische Hochdruckwetter mit weiter steigendem Luftdruck und als Preis für den Sonnenschein etwas nachlassender Wind und Welle. Eine angenehme Nachtfahrt nach dem Eintauchen der Sonne im Meer. Es wird nicht ganz dunkel, ein wunderbarer Sternenhimmel zeigt sich am wolkenlosen Firmament, hin und wieder ein hellgrünes fahles Nordlicht. Die Leuchtfeuer von Faro und später von Visby kommen in Sicht. Im Morgengrauen fahren wir die bewaldete und teilweise felsige Steilküste Gotlands entlang. Um
8 Uhr sind wir vor der Hafeneinfahrt von Visby und finden bequem einen
Liegeplatz, unsere diesbezügliche Sorge ist damit gegenstandslos. Wir sind
von zwei Nächten und einem dazwischen liegenden Tag ununterbrochenen Segelns
recht geschlaucht. Unter Anrechnung der zusätzlichen Stunde durch die
zurückgestellte Uhrzeit sind wir 40 Stunden unterwegs gewesen, haben eine
segeltechnisch voll zufrieden stellende Fahrt hinter uns mit nur zweimal ½
Stunde Motoreinsatz beim kurzzeitigen Einschlafen des Windes am Abend und am
Morgen, jeweils nach Sonnenuntergang bzw. Aufgang. Der wolkenlose Himmel
verspricht ein warmer Tag zu werden und es wird warm, ach was, heiß daß es
schon zuviel ist (28°C). Der Sommer blieb heuer lange aus, dafür kommt er
jetzt plötzlich d.h. gänzlich ungewohnt. Jetzt ein paar Worte zum Hafen. Zum
einen sind die Liegegebühren mit 25 € pro Tag + Strom + Duschen reichlich
unverschämt. Und dann die Liegeplätze. Von wegen Schlengel, stattdessen eine
hohe Kaianlage mit von der Sonne glühend heiß erwärmten, schwarzen
Lastwagenreifen als Schutz. Das Übersteigen an Land bzw. von dort aufs Boot
mit Gepäck ist was für Zirkusleute, aber für einen älteren Menschen schon
eine artistische Meisterleistung. Schweden ist, wie Dänemark, Euroland ohne
Euro. Hier muss zur Freude der Banken Geld getauscht werden. Nach dem
Abendessen unternehmen wir einen kurzen Spaziergang längs der nahezu
vollständig erhaltenen Stadtmauer der Altstadt.Freitag, frühmorgens die Sonne scheint, heute gibt es wieder einen heißen Tag. Ein Stadtbummel längs der Stadtmauer und ein Einkaufsbummel in der Fußgängerzone stehen auf dem Programm. Von dem höchsten Punkt innerhalb der Stadtgrenzen hat man einen großartigen Überblick über die Stadt und das angrenzende Meer. In der Ruine der Catharinenkirche am Marktplatz spielt ein beeindruckend großes Laienorchester volkstümliche Weisen und Orchesterwerke von Gershwin bis Schostakowitsch. Im Dom spielt die Orgel Mendelsons Hochzeitsmarsch. Die Leuchter im Dom sind typische Lübecker Kronleuchter, hier zeigt sich auch die ehemalige Zugehörigkeit zur Hanse. Zum Tagesabschluss Planung der morgigen 47 NM nach Byxelkrok auf der Nordspitze Ölands. Die Überfahrt gelingt problemlos, es ist schwachwindig. Der Hafen ist sehr gut belegt, wir finden noch einen Platz eingezwängt zwischen zwei Schweden. Das Hafenbecken ist von kleinen, weinrot angestrichenen Holzhäuschen umgeben, in denen ein großes Angebot an Kleidung, Kunstgegenständen, Gemüse, Obst und auch Fisch feilgeboten wird. Am Abend ein Spaziergang durch den kleinen Ort mit Blick auf den unmittelbar daneben liegenden Badestrand. Zum Abschluss möchte Nick, unser Bootsnachbar von Visby, die Bilder von unserem Törn sehen und liefert dazu den „begleitenden“ Rotwein. Ein netter Abend bis morgens um 1:30 Uhr. Sonntags ist der Himmel bewölkt, es kann aber noch schön werden. Unser Zielhafen ist Borgholm. Auf der Fahrt kommen wir an der „blauen Jungfrau“ vorbei, einer Leuchtfeuerinsel. Borgholm ist von Weiten an der großen Festungsanlage erkennbar, deren leere Fensterhöhlen sie als Ruine kennzeichnen. Der Hafen ist schön, ebenso die sanitären Einrichtungen in einem Nebenraum eines großen Hotels. Das Städtchen zeigt sich mit Flaggen geschmückt, es müssen gerade Festwochen stattfinden. Der Himmel ist bis auf eine dunkle Wolkenbank im Westen wolkenlos. Am Abend bietet sich ein Schauspiel sich sammelnder Vogelschwärme. Es ist schon deutlich zu merken, dass die Tage kürzer werden. Um 21 Uhr wird es schon so dunkel wie in Petersburg um 23 Uhr. Montag, der 2. August. Nach dem Frühstück auslaufen unter Richtfeuerlinie zum Fahrwasser Kalmarsund. Es fängt zu nieseln an, hört aber bald wieder auf, nicht dagegen über Land, wo die Regenwolken längs der Insel Öland ziehen und abregnen. Durchfahrt durch die Sundbrücke bei Kalmar, die Stadt mit älteren Gebäuden, Schloss, Kirche und Rathaus an der schwedischen Küste ist schön gelegen. Uns kommen Boote der schwedischen Kriegsmarine entgegen, teilweise mit rasend schneller Fahrt und dementsprechender Bugwelle, die bei unserem Boot angekommen die Segel, insbesondere die Genua zusammenschlagen lässt. Auf der weiteren Fahrt begegnet uns sogar ein aufgetauchtes U-Boot in Fahrt gefolgt von einem Zerstörer. Abends gegen 20:15 Uhr laufen wir in den kleinen Hafen von Grönhögen ein und werden von einem deutschen Hafenmeister eingewiesen. Er lebt mit seiner Frau jetzt schon seit 36 Jahren in Schweden und organisiert hier den Hafenbetrieb. Einen solch herzlichen Empfang haben wir bisher auf unserer Reise fern der Heimat noch nicht erlebt. Es regnet schon die ganze Nacht mit Unterbrechungen, zum Morgen kommt Nebel auf, es scheint Herbst zu werden. Der Regen hat aufgehört, wir beschließen einen Erkundigungsgang durch die Hafengemeinde Mörbylänga. Kleine schmucke Holzhäuser, überwiegend ein Stockwerk, weinrot oder Pastellfarben gestrichen. Um 17:30 legen wir ab, zurück nach Bornholm, die vorläufig letzte Nachtfahrt dieser Reise. Nach einer sternklaren Nacht bewölkt sich der Himmel, es regnet aber nicht und es ist auch warm. Das hat Folgen, wie wir bald merken sollen. Erst diesige Sichtverhältnisse, wir sehen die begegnenden Fähren und Frachtschiffe spät, dann hören wir sie nur noch und wenn sie in Sicht kommen, dann sind sie auch schon in unmittelbarer Nähe. Seenebel kommt auf, eine verteufelt unangenehme Situation. Warum ausgerechnet hier, in der Nähe des Bornholmsgat! Einem Frachter entkommen wir mit knappem Abstand, weil er uns vermutlich auf seinem Radargerät noch rechtzeitig gesehen haben muss. Es ist schon gespenstisch, immer näher kommende Schallsignale und die mächtigen Schiffsdiesel zu hören und nichts zu sehen. Gott sei Dank lichtet sich der Nebel mit höher steigender Sonne und Annäherung an die Nordspitze Bornholms. Wir laufen Hammerhafen an, überfallen von Tausenden von lästigen Schwebfliegen. Der Hafen liegt sehr malerisch am Fuße einer großen, zerstörten Festungsanlage, um die in der Hansezeit heftig gekämpft worden sein muss. Am Nachmittag unternehmen wir einen ausgedehnten Spaziergang zur ehemaligen Festung aus dem 11. Jahrhundert, die durch die Lübecker (Hanse) im 14. Jahrhundert stark ausgebaut wurde und durch die Schweden im 17. Jahrhundert erobert wurde. Seit dem 18. Jahrhundert ist sie im Dänischen Territorium. Die Ruine ist die größte Befestigungsanlage in Nordeuropa. Morgens herrscht immer noch recht dichter Nebel, so haben wir Zeit für ein ausgiebiges Frühstück. Der Nebel lichtet sich auch nicht, es ist jetzt 13 Uhr, damit ist eine spätere Abfahrt nicht möglich, wenn wir bei Tageslicht ankommen wollen. Ein schöner Spaziergang führt uns auf den westlich des Hafens gelegenen Berg mit Blick auf das Meer hinaus und rundet einen erholsamen Tag ab, der mit einem köstlichen Essen aus Wolfgangs Bordküche seinen Ausklang findet. Freitag, der 6. August - die Sonne scheint, kein Nebel, keine Wolke am Himmel. Nach dem Frühstück Aufbruch nach Ystad an der schwedischen Festlandküste. Dabei müssen wir nach etwa 8 Seemeilen Fahrt unter Segel wegen einschlafendem Wind mit Maschine weiterlaufen. Wir queren das VTG Bornholmsgat vorschriftsmäßig. Die Marina in Ystad ist groß und stark frequentiert. Der Service ist sehr gut, Wetter können wir selbst im Internet abrufen. Dicht am Hafen fährt die Eisenbahn vorbei, die Altstadt hat einige Jugendstilhäuser ansonsten einstöckige kleine Häuser, davon haben viele einen Rosenstock an der Eingangsseite. Der Supermarkt ist in wenigen Minuten erreichbar, es gibt viele Cafés in der Fußgängerzone und sogar Hotels und Lokale mit Weltenburger Bier. Wir stehen früh auf, die Duschen sind schon begehrt. Unser heutiges Ziel ist Gislovs Läge bei Trelleborg. Der Himmel ist wolkenlos, es ist warm und wenig Wind. Anfangs ging es mit 5-6 kn Fahrt noch gut vorwärts, doch je weiter der Mittag heranrückt, und je raumer der Wind bläst, sinkt die Fahrt bis unter 3 kn. Erst als der Zielhafen in Sicht kommt frischt der Wind kräftig auf. Beim Anlegen erreicht er 6 Bft! Im Hafen ist ein großes Volksfest mit Feuerwehr und Jugendkapelle. Dort liegen viele deutsche Boote, auch daran ist zu merken, daß wir heimatlichen Gefilden zustreben. Übrigens kann hier die Hafengebühr in Euro bezahlt werden, auch ein Indiz für die Nähe zur Heimat. Sonnenschein weckt uns, es weht ein ausreichender Wind, also Aufbruch nach Klintholm auf Mön, zu den berühmten Kreidefelsen. Es wird eine schöne Überfahrt, Wind 4-5, Welle 1 m, im Schnitt 5 kn Fahrt, um 17 Uhr sind wir im Hafen. Bei der Anfahrt von Mön haben wir einen schönen Blick auf die beeindruckenden Kreidefelsen, der Sonnenstand reicht um 15 Uhr gerade noch aus, um die größten Erhebungen zu beleuchten. Der Hafen Klintholm ist Fischerhafen und verzweigter Sportboothafen mit Dalben zum Festmachen. Die Hafengebühr ist recht teuer (20 €), Duschen gehen extra (5 kr), die Sanitäreinrichtungen sind gut. Für 50 kr kann die Wäsche gewaschen und getrocknet werden. Unsere Wäsche bekommen wir so gerade in eine Trommel gestopft. Bisher hatten wir Ostwind und es sieht so aus, daß es noch ein paar Tage so bleibt. Am späten Nachmittag frischt der Wind immer auf etwa 6 Bft auf. Morgen geht es nach Gedser, Donnerstag wollen wir in Brodersby sein. Beim morgendlichen Gang zur Dusche habe ich die aus der Kulturtasche heraus fallende Zahnpastatube und Schere im Hafenbecken versenkt. Gestärkt nach dem ausgiebigen Frühstück geht die Reise weiter. Richtig befreites Segelgefühl und Freude stellt sich erst dann ein, wenn beim geplanten Kurs der laminare Wind stark genug ist, die Segel ordentlich zu füllen und selbst bei Welle nichts schlägt. Gegen 17 Uhr nimmt der Wind, der bisher recht konstant geblieben ist, wie üblich auf 6 Bft zu, wir fahren unter Volldampf an der Marina Gedser vorbei zu einem Ankerplatz, genannt „Gedsergard Bro“, vor der Südwestküste von Falster. Es scheint auch bei den Dänen ein beliebter Platz zu sein, kaum haben wir Anker geworfen versammeln sich um die Pfähle eines verfallenen Anlegestegs herum 4 Motorboote, die sich dort offensichtlich treffen wollen. Zum Abendessen gibt es Chili con Carne nach eigener Mischung. Danach eine Rekonstruktion der Geldausgaben der letzten Woche. Anhand des Tagebuches und einiger Zettel gelingt es, die Unterlagen mit ergänzenden Angaben zu versehen. Das nächste Ziel heißt Fehmarn. Am Morgen scheint die Sonne von achtern ins Boot, der Wind hat nachgelassen. Eine ruhige Nacht - der Anker hat gehalten - Frühstück - wir starten unter Segeln in einen neuen Tag mit Sonne, mäßigen Wellen und ausreichend Wind. Beim Vorbeifahren einer großen Fähre in engem Fahrwasser mache ich eine besondere Erfahrung mit dem Saugeffekt des Windes nach dem Passieren des Schiffs. Die letzten Tage waren herrliche Segeltage, es beschleicht mich Wehmut, dass dieser außergewöhnliche Törn in wenigen Tagen zu Ende geht. Bei so langem Zusammenleben auf einem Schiff erhält jeder etwas vom anderen und lernt anderes zu tolerieren und auch Begrenzungen zu akzeptieren. Dabei bildet sich etwas Gemeinsames, vergleichbar mit den Freundschaften aus Schul- und Jugendtagen, die auch tiefer gehen und dauerhafter sind, als die Freundschaften des Alltags und des Arbeitslebens, die wieder eine andere Qualität haben. Nach dem Versinken des Schornsteins von Gedser unter den Horizont, einer ruhigen Fahrt über See und dem ersten Auftauchen des Fernmeldeturms von Fehmarn aus dem Horizont beginnt der Wind aufzufrischen und erreicht allmählich eine Stärke von 7 Bft. Wir „rasen“ mit einer Geschwindigkeit von mehr als 8 kn durch den Fehmarnsund und die Orther Bucht auf den Hafen zu. Der Hafen ist voll von vor dem Sturm untergeschlüpfter Boote. Wir finden dennoch einen Liegeplatz zwischen den Dalben und fahren gekonnt hinein. Beim Festmachen der Leinen bemerken wir das rote Besetztschild. Inzwischen ist der starke Wind zum Sturm angeschwollen und an Auslaufen aus der völlig ungeschützt liegenden Box ist nicht mehr zu denken, was uns etwas Kummer bereitet. Aber der geradewegs vorbei kommende Hafenmeister erspart uns diesen Schritt und erklärt, er habe nur vergessen das Schild zu wenden. Als wir dann noch den Hinweis auf den Kauf von pfandfreien Bierdosen von ihm erhalten ist kein Halten mehr, wir machen uns sofort auf den Weg zu einem Großeinkauf, denn unsere Vorräte an Trinkbaren sind schon beim Ankern zur Neige gegangen. Auf dem „Futterkutter“ bunkern wir für die restlichen Tage. Aus Freude über unseren Segeltag gehen wir essen, es gibt Meeräschenfilet mit Pommes bzw. Bratkartoffeln und dazu für jeden ein Weißbier, das Erste nach mehr als 6 Wochen. Der Wind bläst immer noch kräftig, wir liegen ziemlich ungeschützt, dem Wind ausgeliefert. Er bläst so stark von achtern, daß wir das erste Mal auf unserer Reise den achteren Teil der Kuchenbude als Windschutz montieren. Mittwoch, der 11. August - der Wind hat nicht nachgelassen. Damit wird es heute nichts aus Marstall. Die Sonne kommt trotz bewölktem Himmel hervor und beleuchtet das Innere des Bootes. Ausgiebiges Frühsück, danach ein ausgedehnter Spaziergang zum Leuchtturm und die wunderschöne Naturlandschaft, im Anschluß daran Besuch der Hafencafés. Der Wind scheint etwas nachzulassen. Zum Mittag gibt es Tomatensuppe, danach eine Deichwanderung nach Lemkenhafen. Am nächsten Tag empfängt uns beim Aufstehen Morgennebel und Regenwolken, der starke Wind ist ausgeblieben. Nach dem Frühstück Aufbruch nach Marstall. Ablegen um 9 Uhr bei nahezu Windstille, alles motort in Richtung Westen. Am Horizont scheint es Wind zu geben, doch sind wir dort, dann herrscht die gleiche Flaute. Falls doch noch ein Hauch zusammenkommt, dann kommt er überraschender Weise nicht aus Ost, wie gemeldet, sondern eher aus Nord bis Nordwest. Wir setzten die Segel, ändern den Kurs auf Schleimünde und können unsere Geschwindigkeit von 3 bis auf 6 Knoten steigern, woran wir vor einigen Stunden noch nicht zu denken gewagt haben. Uns entgegen, d.h. aus der dänischen Südsee, kommen viele Boote, die meisten unter Maschine, es herrscht fast schon Hochbetrieb. So bekommen wir am vorletzten Tag unserer ereignisreichen Reise noch einen schönen Segeltag geschenkt mit viel Sonne, wenig Welle und guter Geschwindigkeit. Am Abend machen wir in Kappeln fest und lassen den Tag mit einem Fischessen im alten Fährhaus ausklingen. Selbst
wenn die schönen Tage mit diesem zu Ende sind, die letzten Meilen nach
Brodersby können durch das Wetter nicht mehr verzögert werden, morgen
erreichen wir den Heimathafen.Freitag, der 13. ! - ist ein nicht immer positiv belegter Begriff und seit Reinhard May auch als Schicksalstag besungen. Das schöne Wetter hat sich verabschiedet. Ab 8:30 Uhr regnet es, nach einem kleinen Stadtbummel legen wir ab und segeln in Richtung Heimathafen. Graue Wolken hängen am Himmel, das kaum von Wellen bewegte Wasser spiegelt die graue Farbe wieder, eine gedämpfte Stimmung. Werner träumt noch von langen Nachtfahrten (insgesamt 11), vom Leben und Treiben in den besuchten Häfen (insgesamt 27). Sein großer Traum hat sich nach 1921 Seemeilen erfüllt, ist lebendig geworden und macht ihn zu einem guten Botschafter der Menschen und deren Lebensbedingungen, wie wir sie auf unserer langen Reise in den besuchten Ländern, namentlich denen des ehemaligen Ostblocks und in St. Petersburg, erleben durften. Die vielen Bilder, für uns Erinnerung an ein bestandenes Segelabenteuer, regen vielleicht Interessierte an, unseren Spuren zu folgen und den Besuch der Länder östlich Bornholms zu planen und zu unternehmen – es lohnt sich wirklich. |
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