|
In Warnemünde kommen am 09.06.2007 Juni Peter und Werner aus Potsdam an
Bord. Peter ist Wiederholungstäter, war aber vor einem Jahr nicht dabei.
Wir gehen wegen ungünstigem Wind erst nach Kühlungsborn, wieder nach
Warnemünde und über Barhöft, Neuhof und Lauterbach nach
Greifswald/Yachtzentrum. Das Wetter war nicht mehr so besonders mit sehr
unterschiedlichen Windstärken und Richtungen und einem Regentag.
Vom
17. 06. bis 30.06.
segel ich einhand von Greifwald nach Gdansk. In Darlowo (Rügenwalde) die
zweite Begegnung der 3. Art auf dieser Reise. Die „Schieter“ und die „Pangani“
aus unserem Yachtclub bereits auf der Rückreise von Gdansk. Es wurde ein
sehr schöner Abend. Ich habe viel Zeit und nutze in Kolobrzeg (Kolberg) und
Leba mehrere Hafentage für große Wäsche, Reinschiff und Einkäufe.
Gdansk beglückt mich wie in den letzten Jahren mal wieder mit schlechtem
Wetter.
Montag, 02.07. 2007.
Volker kommt an Bord. Mit dem Flieger von Lübeck nach Gdansk in 1 Stunde,
Bus und Taxi vom Flughafen zum Boot brauchen 2 Stunden. Da kommt Freude auf.
Nach einem Hafentag in Gdansk gehen wir am 04.07. nach Hel als Starthafen
für die 110 sm nach Klaipeda. Sauwetter.
Donnerstag, 05.07.2007.
Ich habe keinen vernünftigen Wetterbericht und so verlassen wir uns auf
einen Wetterbericht des deutschen Nachbarbootes. Das erste und einzige Mal,
das ich ohne aktuellen (von mir gefälschten) Wetterbericht eine Reise
antrete. Mein Obersteuermann hat wohl auch nichts von einer Front
mitbekommen. Wir gehen mit 3 weiteren (größeren) Booten in kurzem
Zeitabstand gegen Mittag aus Hel. Nach flauen Winden tagsüber briest es
gegen Mitternacht bis auf 7 Bft. auf. Halber Wind, ca. 3-4 sm steuerbord
querab in Lee die Seegrenze von Kaliningrad (Königsberg).
Volle Segel oben, Gustav (Selbststeueranlage) hat keinen Bock mehr und das
Deckslicht brennt nicht. Ich habe Schiss, in stockdunkler Nacht bei ca. 2,50
m Welle an Deck zu gehen um das Groß einzudrehen. Bleibt nur eins, Genua zur
Hälfte einrollen und die Pinne in die Hand nehmen. Geht doch, satte 8 kn
Fahrt. Wir können fast bis zum Morgengrauen die Hecklichter der vor uns
segelnden Boote sehen. Der Spuk dürfte wohl so 2-3 Stunden gedauert haben.
Ich hatte kein Zeitgefühl.
Freitag, 06.07.2007.
Nach einer wohl überholten Information aus dem Vorjahr auf der Suche nach
dem Immigrations-Office legen wir erst nach einer Stunde herumirren in den
Hafenanlagen von Klaipeda im Yachthafen „Old Castle Port“ um ca. 09.00 Uhr
an. Die Einklarierung findet jetzt im Gegensatz zu früher im Yachthafen
statt. Wir haben einen knackigen Anlegeschluck verdient. Jetzt erst zeigt
mir Volker ein Loch in seinem Kopf, blutverschmiert. Er hat sich beim
raussammeln meines Südwesters aus der Hundekoje fürchterlich den Kopf an der
Ecke eines Schapps gestoßen und hat nichts gesagt. Ich bin heute noch froh,
dass er nicht umgekippt ist. Am Nachmittag erkunden wir die City von
Klaipeda. Aber wir finden fast nichts. Am „Ännchen von Tarau“ vorbei sind
wir wohl in die falsche Straße eingebogen. Menschenleere Prachtstraßen,
exklusive Läden, alles geschlossen und kein Supermarkt. Und das an einem
Freitag 18.00 Uhr. Sehr merkwürdig das Ganze. Nach ca. 1,5 Std. werden wir
doch noch fündig. So runde Füße hatte ich schon lange nicht.
..... und die See hat uns wieder
Sonnabend, 07.07.2007.
Mit runden Füßen laufe ich nicht und so segeln wir bei WNW 5-6 nach Liepaja
(Libau). Schönes Segeln, allerdings auch mit Regen. Nach nunmehr gut 160 sm
in 3 Tagen beschließen wir mindestens einen Hafentag einzulegen. Zumal die
Sanitäranlagen im neuen „PROMENADE HOTEL“ die Besten an der ganzen Küste
sind. Waschmaschine, Trockner und Nutzung des PC mit Internetzugang im Hotel
runden das Ganze ab. Der Anleger liegt mitten in der Stadt, das
Einkaufszentrum gleich um die Ecke. Liepaja lohnt sich und wir bleiben noch
einen Tag, auch wegen des schlechten Wetters.
Dienstag, 10.07.2007.
Wir segeln bei mäßigem Wind nach Pavilosta (Paulshafen), Regen. Etwas
dürftiger Steg am kommunalen Anleger aber sehr gutes Restaurant und moderne
Tankstelle. Es begrüßt uns Wolfgang aus Deutschland, der in Diensten der
Gemeinde stehende Hafenmeister. Hier haben wir das erste Mal leichte
Probleme mit der Landeszeit, da diese der Bordzeit um eine Stunde voraus
ist. Die Radfahrer auf dem Europäischen Fernradweg Bordeaux-Riga sind hier
eingekehrt und spät dran. Das Restaurant hat bis 20.00 Uhr Landeszeit
geöffnet und die Herren bestellen erst jetzt. Meine 18 Borduhren zeigen
19.00 Uhr (MESZ). Die ausnehmend hübschen Kellnerinnen sind leider sauer.
Mittwoch, 11.07.2007.
16.30 Uhr fest Ventspils (Windau). Wir ergattern den letzten Bojenplatz.
Dürftige Sanitäranlagen, Damendusche defekt und wir kommen nicht in die
Stadt, da uns der Weg zu weit erscheint. Im „Küstenhandbuch Baltikum“ steht
da etwas ganz anderes.
Donnerstag 12.07.2007.
Segeln um 05.15 Uhr aus Ventspils bei SE 4-5 zur Umrundung Kolkas, der
Nordspitze Lettlands, um das 65 sm entfernte Roja zeitig zu erreichen. Hat
sich gelohnt, Restaurant und Supermarkt gleich um die Ecke. Die
wunderhübsche Kellnerin hat uns anschließend im Supermarkt hervorragend
beraten.
Freitag, 13.07.2007.
Wir motoren 90% der Strecke nach Engure. Kleiner, wohl in der Entwicklung
befindlicher Hafen mit lediglich 2 Festmachebojen aber sonst alles
vorhanden.

Engure,
das ausgedehnte
Hafenbecken
ist flach |

... das ehemalige Wohnschiff
von der
Wolga wird
von lettischen Segel-Enthusiasten restauriert |
Sonnabend, 14.07.2007.
Für die 34 sm nach Riga-Andrejosta müssen wir wieder die eiserne Genua
bemühen und werden mit dem privaten Fotoshooting einer Minirock-Schönheit
auf der Pier begrüßt. Ansonsten aber unnahbar. Auch Hans + Eugen von der
„THULE“ mit ihrem rheinischen Humor ändern da nichts. Sonntag ist
Stadtrundgang angesagt, die großen Markhallen und die Altstadt muss man
gesehen haben. Ebenso die prachtvollen Villen im Jugendstil in der Elisabeth
Iela. Volker muss abends die ca. 4 km mit dem Taxi nach VECMILGRAVIS um für
die Rückreise nach Lübeck auf einem Frachter einzusteigen. Schade, die Pier
der Schwedenfähren ist gleich gegenüber dem Yachthafen. Ich habe noch eine
Woche Zeit bis zur Anreise von Jörg aus Freiburg. Es ist herrliches Wetter
und es macht richtig Laune, die Stadt zu erkunden.

Teilansicht
Yachthafen Riga-Andrejosta
|

... mit illustrem Besuch
am Fährterminal |
Sonntag, 22.07.2007.
Ich will mich gerade auf den Weg
zum Busbahnhof machen, da steigt Jörg vor dem Yachthafen auch schon aus dem
Taxi. Mist, er hat die Uhrzeit seiner Ankunft in Ortszeit angegeben. Und ich
habe meine Bordzeit um die eine Stunde nicht vorgestellt. Wir gehen noch
einkaufen, (Sonntags geöffnet!!) und segeln am
Montag, 23.07.2007
nach Roja. Für mich gibt es hier
nichts Neues und für Jörg offensichtlich auch nicht und so gehen wir weiter
am
Dienstag, 24.07.2007
nach Kuressaare (Arensburg) auf der estnischen Insel Saaremaa (Ösel).
Kuressaare soll laut „Küstenhandbuch Baltikum“ eine Touristenhochburg der
Esten sein. Es wirkte aber eher alles etwas altbacken und antiquiert.
Mittwoch, 25.07.2007.
Zum ausgeschilderten Dienstbeginn der Grenzkontrolle im Büro des
Hafenmeisters wollen wir ca. 08.00 Uhr ablegen Richtung Ventspils (Lettland)
und ich versuche auszuklarieren da 60 sm vor uns liegen. Die
Wettervorhersage mit W – NW 4-5 (6) ist günstig. Kein Grenzbeamter da. Der
Hafenmeister ruft die Beamten an und diese erscheinen gnädig nach einer
halben Stunde als gemischtes Trio. Nun muss noch der Vordruck der Crewliste
ausgefüllt werden, doppelt da kein Kohlepapier vorhanden. Ich äußere meinen
Unmut über diesen bürokratischen Aufwand und der Hafenmeister ist da voll
meiner Meinung. Die drei Offiziellen verkneifen sich eine Bemerkung. Wir
legen ca. 09.00 ab und machen gute Fahrt. Am Vormittag, noch vor dem 11.00
Uhr-Bier, überrascht mich mein Obersteuermann mit dem Vorschlag, statt
Ventspils gleich Liepaja anzusteuern und die Nacht durch zu segeln. Nach
kurzer Beratung unter Einbeziehung des letzten Wetterberichtes stimme ich zu
und schalte unnötige Stromverbraucher aus. Wir gehen abwechselnd Wache und
können auch mal eine Mütze Schlaf nehmen. Nach 21 Stunden und 120 sm legen
wir am
Donnerstag, 26.07.
um 05.00 Uhr in Liepaja an. Wieder haben wir einen kräftigen Anleger
verdient. Hier unterläuft mir bei der Eintragung ins Logbuch ein schwerer
Fehler. Ich notiere nicht den 26.07. fest in Liepaja sondern unter dem Datum
des Vortages. An den folgenden Tagen fehlt also ein Tag. Erst mein
Obersteuermann macht mich nach einigen Tagen auf den Fehler aufmerksam und
ich muss das Logbuch korrigieren. Sch... Segelstress!!
Freitag, 27.07.2007,
motoren seit Stunden gegen S 3-4 nach Klaipeda. Der SW 4 der nächsten Tage
hätte besser gepasst. Der Hafen und die Stadt empfangen uns mit ungeahnten
Menschenmengen und vollem Yachthafen. Das „Baltic Sprint Race“ mit ca. 25
großen Segelyachten legt hier eine Pause ein und die Stadt feiert die Segler
aus fast allen Anrainerstaaten der Ostsee mit einem fulminanten Hafenfest.
Wir liegen 6 Tage (bezahlen 5) in Klaipeda wegen Wind und Wetter von vorn
und haben somit viel Zeit. Im Restaurant „Schwarzer Kater“ können wir
kostenlos mit dem Laptop ins Internet und hauen uns die eine oder andere
Nacht um die Ohren. Wir finden bessere als das im „Küstenhandbuch Baltikum“
gepriesene Restaurant „Memelis“. Endlich, am
Donnerstag, 02.08.2007
stellt sich der erhoffte S – SE 3-4 ein. Wir gehen um 09.00 Uhr gemeinsam
mit den Einhandseglern Gerrit aus Amsterdam auf der „ASGAARD II“ und Hans
aus Wismar auf der „TINYYY“ aus Klaipeda und verabreden uns in Leba. Gerrit
und Hans segeln, wir motoren die ersten Meilen. Am Nachmittag kommt Hans
unter Maschine auf und möchte sich uns anschließen. Nachts sehen wir die „TINYYY“
zweimal um die eigene Längsachse drehen. Was ist mit Hans los? Von der „ASGAARD
II“ ist nichts zu sehen. Wir haben guten Wind und legen am Freitag 13.00 Uhr
in Leba an. Hans kommt völlig abgeschlafft um 17.00 Uhr noch dazu bei Regen
in die Marina. Am nächsten Tag beichtet er, dass er schon in Klaipeda mit
defekter Selbststeueranlage abgelegt hat. Da war der Kerl 32 Std. und 140 sm
an der Pinne. Wir haben den Kabelsalat an der Anlage etwas entwirrt und
schon lief das Ding wieder. Das hätte er schon in Klaipeda haben können. Am
24.09. mailt Gerrit aus Amsterdam, das er in 65 Std. von Klaipeda bis
Stralsund und noch mal in 28 Std. von Stralsund nach Schleimünde
durchgesegelt ist. Unglaublich diese Käsköppe!!
Montag, 06.08.2007,
wir verlassen Leba mit gutem Wind. Mein Ziel ist eigentlich Darlowo. Aber
mein Obersteuermann will mal wieder Meilen machen und gleich weiter nach
Kolobrzeg. Nicht einfach die Hafeneinfahrt im Dustern. Der Hafenplan und die
Befeuerung passen nicht so recht zusammen.
Vom
09.08. bis 11.08.
sind wir über Dziwnow nach Greifswald-Wieck gesegelt. Jörg geht nach fast
600 sm an 10 Segeltagen in insgesamt 3 Wochen von Bord.
Ich verabschiede Jörg am 13.08. am Bahnhof in Greifswald und im selben
Moment kommt Günther, mein neuer Obersteuermann aus Hohenaspe mit dem Zug
an. Das ist Timing.
Wir segeln ganz gemütlich nach Hause aber wie das immer so ist, die letzten
65 sm mit Maschine, grauselig, und legen am Freitag, 24.08.2007
in meinem Heimathafen in Missunde an. Aus meiner Sicht ist die Reise
gelungen.
Elmar Mnich, Skipper der „SCORPJON“ 03.11.2007
|