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Wladislawowo
ist ein riesiger Fischereihafen voll mit Hunderten alter Fischkutter, die
einem ungewissen Schicksal entgegendämmern. Eine Ecke im Hafen ist für
Yachten abgeteilt, wie immer moderne Schwimmstege mit Wasser und Strom.
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Die "NUFFA" vor Polens
Küste |
Am Hafenkai sehen wir ein großes Zelt, es ist
gerammelt voll von Fisch essenden Leuten. Hier muss es gut sein! Wir packen
eine Flasche Riesling ein und genießen den geräucherten Heilbutt mit Pommes.
Da wir auch zwei Flaschen Wasser bestellen, schert sich niemand um unser
mitgebrachtes Getränk.
Nach Danzig ist es nicht mehr weit, und so legen wir einen Hafentag ein,
zumal es jetzt regnet und Wladislawowo unglaubliche Duschen hat. Wie in
jedem Hafen besuchen wir ein Internet Café und rufen unsere e-mails ab. Auch
hier ist Jahrmarkt, die Geschäfte sind voll, die Wirtschaft brummt. Wir
fahren im Riesenrad einmal rund, aber irgendwie traue ich den rostigen
Schrauben, die die ältliche Konstruktion zusammenhalten, nicht ganz. Ich
bin froh, als ich wieder heil auf der Erde stehe.
Bei West 4-5 geht’s weiter nach DANZIG. Als wir um die Halbinsel Hela herum
sind, kriegen wir bei Vollzeug einige Drücker ab, Einhandsegler Elmar zeigt
uns, wie man mit einer alten Rassy 31 Monsun Höhe laufen kann. Unsere
Seerelingsfüße sind unter Wasser, und wenn man im Salon aus dem Fenster
guckt, kann man unter Wasser sehen.
Bei der Einfahrt klarieren wir wie üblich per Funk ein, den Rest der Strecke
laufen wir unter Maschine. Um 14.30 Uhr am 30. Juni sind wir nach 476 sm
fest in der Danziger Marina. Die Marina hat 80 Boxen, nur etwa 10 sind
belegt. Wasser und Strom an der Box, ständig patrouillieren drei Polizisten
an Land, und der Hafenmeister ist den ganzen Tag da. Das Leben quirlt.
Direkt am Liegeplatz ein kleines Zeltrestaurant, außerdem liegen wir völlig
ruhig gegenüber der Innenstadt, die über eine Fähre (1 Zloty = 25 Cent)
erreichbar ist. Zu Fuß ca. 500 Meter zu Bäcker, Schlachter, Geldwechsel usw.
Danzig, wir kommen!
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"NUFFA" und "SCORPJON" vor
dem
Krantor in Danzig |
Am nächsten Morgen läutet schon in aller
Herrgottsfrühe das Handy: Mitseglerin Astrid ist per Bus aus Hamburg
eingetroffen, steht auf dem Steg, weckt uns und holt gleich Brötchen. Für 49
Euro ist sie im modernen Reise-bus direkt von Hamburg gekommen, abends los,
morgens da. Sie ist äußerst unter-nehmungslustig, sie will in Danzig alles,
aber auch wirklich alles sehen.
Wir fangen mit dem Historischen Museum an, weiter geht’s auf den Turm der
Marienkirche (irre Aussicht), in das Kranentor und in das Boots- Museum. Die
Fußgängerzone in der Dluga Targ lässt uns angesichts der unglaublich
prunkvollen Fassaden schwin-delig werden- ein unglaublicher Reichtum,
herrlich restauriert. Abends in einen Jazzkeller. Kein Eintritt, Bier gibt
es in 0,5 Liter Plastikbechern, wie in Polen üblich für 9 Zloty (ca. 2,30
Euro) der Becher. Tolle Stimmung, wie in den meisten Discos ein totaler
Frauenüberschuss, Mädchen tanzen mit Mädchen. Überwiegend sehr hübsch, uns
fällt auf, dass die polnischen Mädchen auch auf der Straße sehr „aufgebrezelt“
sind, gepflegt und geschminkt, außerdem nach der neuesten Mode gekleidet.
Slawischer Typ, nicht besonders groß, aber Wespentaille und oben herum mehr
als üppig. Wir entdecken mehrere Institute für Plastische Chirurgie in der
Stadt, die am häufigsten ausgeführten Schönheitsoperationen sollen angeblich
Brustverkleinerungen sein. Gibt es denn gar keine Frauen, die mit ihrer
Figur zufrieden sind?
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Ausflug nach Gdingen |
Jetzt wissen wir auch, wieso uns die Polen immer sofort auf Deutsch
ansprechen: Astrid sieht mit ihrer Körpergröße von 1,90 m so gar nicht
polnisch aus, und ich auch nicht. Die polnischen Männer haben lt. Astrid
eine massige Figur, tragen Schlabber-hosen und weite Pullover, dazu Glatze
oder 5 mm Schnitt. Military -Look oder schwarz total ist angesagt.
Am nächsten Tag geht es per Dampfer zur WESTERPLATTE. Die Westerplatte ist
auch heute noch ein riesiges Militär-Areal, hier begann mit der Beschießung
durch die Schleswig- Holstein der 2. Weltkrieg. Ein riesiges Denkmal
im sowjetischen Blut und Boden Stil wurde von uns beim Vorbeimotoren schon
durch Dippen der Flagge gegrüßt. Am nächsten Morgen trifft der nächste
Geschwaderfahrer in Danzig ein: Es ist Dr. Nöhring vom WSG mit seiner
Cayenne Vivace. Nun sind vier Geschwaderfahrer am Ziel: Elmar Mnich
mit der Skorpjon, Fritz Schmale mit der Bonnie, Dr. Nöhring
mit seiner Vivace und ich mit der Nuffa. Später hören wir,
dass Herr Muth mit seiner Lysholm noch über Stettin und Swinemünde
bis Ustka gekommen ist, dann wurde ihm die Zeit zu knapp. Ähnlich ging es
Klubkamerad Wolfgang Strüven, seine Bordfrau Birgit musste zurück ins
Berufsleben. Auch die restlichen Geschwaderfahrer hatten nicht so viel Zeit
oder fürchteten, gegen den evtl. Westwind nur schwer zurück zu kommen.
Mitsegler Roger muss zurück in die Arbeitswelt und fährt per Bus zurück nach
Hamburg.
Am nächsten Tag ging’s nach ZOPPOT. Eine riesige Seebrücke, ein zauberhafter
Stadtkern. Wir entdecken ein Erotic-Museum, Astrid schleift mich mit. Elmar
sowie die Besatzung der Bonnie trauen sich (noch) nicht. Zoppot ist
voll von Urlaubern, mit Mühe ergattern wir einen Platz in einem Restaurant
draußen unter einem riesigen Sonnenschirm.
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Im
Seebad Zoppot |
Abends natürlich wieder in ein
Musik-Restaurant, wir gehen in den Cotton Club. Am nächsten Tag steigert
Astrid das Tempo, wir besichtigen zuerst den berühmten Artushof, dann das
Nationalmuseum (besonders sehens-wert das Jüngste Gericht), dann ins
Centralmuseum. Dann ins Orgelkonzert in Oliwa. Oliwa ist ein Stadtteil von
Danzig, mit einer scheppernden Straßenbahn zu erreichen (ein Muss!). Ich
hatte klassische Orgelmusik erwartet (Toccaten und Fugen von Bach), leider
gab es sehr moderne Musik. Trotzdem, die Kathedrale war gerammelt voll, nach
einer Stunde akustischen Leidens verzogen wir uns unauffällig. Wieder an
Bord gab’s diesmal Astrids Lieblingsgericht (sie wollte unbedingt kochen),
Pfifferlinge mit Speck, dazu leckere Filets. Abends wollten wir es noch mal
richtig krachen lassen, also ab ins „Karta Ewan“ in der Tkacka 27, ein
gehobenes Striplokal. 10 Zloty Eintritt, ein halber Liter Bier für 9 Zloty.
Für Freunde gehobener Weiblichkeit gibt’s ein Separée, in denen die
überwiegend russischen Animierdamen etwas mehr bieten.
Am nächsten Tag das nächste Museum, das Danziger Schiffsmuseum. (Wie viele
Schiffsmuseen gibt’s eigentlich in Danzig?) Abends dann noch mal nach Oliwa.
Was wir vorher nicht wussten: Oliwa ist nicht nur das Kirchen- und
Klosterviertel Danzigs, sondern auch die Vergnügungsmeile. Wir checken
sämtliche Clubs durch, in einige darf Astrid nicht mit hinein, sie muss
draußen warten. Per Eisenbahn geht’s zurück zum Danziger Hauptbahnhof,
unterwegs werden unsere Fahrkarten von einem hünenhaften Kontrolleur einer
Prüfung unterzogen, von dem möchten wir nicht ohne Fahrschein erwischt
werden! Am nächsten Tag trifft Mitsegler Ralf ein. Das Wetter hält
sich immer noch, jeden Tag Sonne, während es in Kappeln Bindfäden regnet,
haben wir nahezu täglich 30 Grad unter Deck. Zwar gibt es ab und zu einen
kurzen Schauer, aber dann wieder Hitze.
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Hier im Keller die Disko
PARLAMENT |
Abends geht’s ins „Parlament“, eine von außen
unscheinbare, riesige Disco. Auf mehreren Ebenen, ca. 800 Plätze, hier ist
die Hölle los.
Am nächsten Tag besichtigen wir den Dampfer Soldek, der direkt neben
unserer Marina liegt. Sehr ein-drucksvoll, zumal es an Bord eine
Kunstausstellung gibt. Dann steigt das Barometer. Dr. Nöhring läuft mit
seiner Vivace Richtung Arnis aus, sollen wir auch auslaufen? Elmar
und Ralf fahren per Bahn nach Zoppot und statten dem Erotic-Museum einen
Besuch ab. Am nächsten Tag hält mich aber nichts mehr, in aller
Herrgottsfrühe laufen wir aus, schließlich bin ich jetzt 15 Tage in Danzig-
das muß reichen. Als wir gegen 9.20 Uhr in HEL einlaufen, kommt uns
Dr. Nöhring schon entgegen, allerdings kann er mit seiner Cayenne, einer
schmalen Rennmaschine, auch dem Teufel ein Ohr absegeln. Wie bleiben erst
mal in Hel. Hel liegt am Ende der endlos langen Halbinsel Hela und ist voll
von Touristen. Denen wird auch wirklich was geboten, Ausstellungen, Museen,
ein Jahrmarkt mit zahlreichen Ständen, Seehunde, ein herrlicher Badestrand.
Der nächste Hafen ist wieder LEBA, da waren wir schon, aber als wir aus Leba
auslaufen in Richtung DARLOWO, sehen wir eine etwas breitere Flussmündung.
Irgendwo weiter landeinwärts liegt ROWY, leider keine Information zu
Fluss und Ort in der Seekarte und im Hafenführer. Sollen wir es wagen? Warum
nicht! Bei Schwert und Ruder hoch hat die Nuffa nur 70 cm Tiefgang,
und soviel sollte der Fluss eigentlich haben. Verdächtig ist allerdings,
dass an der Mündung keine Angler zu sehen sind. Egal, Attacke! Ich wähle die
Steuerbordseite des Fahrwassers und laufe prompt auf, komme aber wieder
frei, und nach ca. 1 Meile Flussfahrt kommen wir in einem entzückenden
Städtchen an. Wir sind die Sensation des Ortes, noch nie hat man hier eine
12 Meter Segelyacht gesehen... Es gibt keinen Hafenmeister, und es gelingt
mir nicht, irgendwo Hafengeld loszuwerden. Dafür gibt es wieder geräucherten
Lachs bis zum Abwinken, Lachs scheint das Brathähnchen Polens zu sein...
Am nächsten Tag dann der sehnlichst erwartete Südostwind. Super segeln! Das
Log zeigt 8,4 kn an. Leider steht der Wind nicht durch, die letzten acht
Meilen muss der eiserne Spinnaker wieder ran. In DARLOWO passieren wir eine
Fußgängerbrücke und machen dann direkt vor einem kleinen Häuschen für Segler
fest. Das Wort Waschhaus wäre zu profan für diesen Bau, gibt es doch hier
nicht nur Toiletten und Duschen, sondern auch einen Aufenthaltsraum mit
Spülbecken, Bett und Schreibtisch.
Im Ort brummt das Geschäft, wie in jedem polnischen Ostseehafen gibt es eine
Hanse-Kogge, die mehrfach täglich ausläuft, außerdem einen Jahrmarkt.
Darlowo ist wirklich zu empfehlen, für Boote Platz ohne Ende, man kann
längsseits liegen, oder weiter im Fischerhafen. Den nächsten Hafen, Kolberg,
kennen wir schon von der Hinfahrt, aber dann geht’s diesmal in Dziwnow nicht
zu Lolo in die Marina (leider sind wir spät dran und der kleine Hafen ist
voll), sondern in den Fischerhafen. Hier zahle ich beim geschniegelten
Hafenmeister (schwarze elegante Hose, blütenweißes Hemd, schwarzer Schlips,
Epauletten sowie goldene Dienstgradabzeichen - Willi würde neidisch werden!)
nur 9 Zloty (ca. 2,30 Euro) Hafengeld. Das Besondere: Wie immer inklusive
Strom und Wasser, aber Darlowo hat das unglaublichste Waschhaus: Neueste
geschmackvolle Objekte in einem nagelneuen Häuschen. Ohne Duschmünzen, alles
frei. Im nächsten Hafen Swinemünde erkläre ich die Polenfahrt erst mal für
beendet, Ralf und ich leeren das von zu Hause zu diesem Zweck
mitgebrachte 5 Liter Fässchen Warsteiner.
Als wir uns am nächsten Tag bei der am Kai gelegenen Dienststelle zum kurzen
Ausklarieren melden, interessiert sich eine hübsche Polin im Kampfanzug mit
umgeschnallter Pistole für meinen Bordstempel der Nuffa. Sie zückt ihr
privates Notizbuch, und ich muss den Stempel zweimal hineindrücken.
In Ückermünde der letzte Crewwechsel, Ralf geht und Marlies kommt. Wir
genießen die herrlichen Bodden-Gewässer, Zeit haben wir noch, warum nicht
über Dänemark zurück? Also geht’s von Burgstaaken erst mal nach Marstal,
Ärösköbing und Söby. Auf der Strecke von Söby nach Kappeln kriegen wir noch
einmal richtigen Wind ab. Das mag Marlies gar nicht, weit liegt die Nuffa
über, aber ich habe nach zwei Stunden ein Einsehen und werfe die Maschine
an. Als wir wieder in der ASC Box liegen, haben wir fast genau 1.000
Seemeilen auf dem Log- hört sich viel an, war aber nicht schlimm. Hat Spaß
gemacht. Polen war eine Reise wert.
Hier noch einige Tipps:
Als nautische Unterlage stand der BSH Kartensatz D
3021 sowie der Sejleren Hafenführer, der überall kostenlos ausliegt, zur
Verfügung. Für evtl. Kaliningrad noch der Kartensatz D 3022. Die meisten der
sonstigen angeblich erforderlichen Unterlagen für Polen braucht man gar
nicht. Kein Mensch wollte eine Bescheinigung der Bootsversicherung sehen,
den Internationalen Bootsschein nicht, und auch nicht irgendwelche
Führerscheine. Ralf und Astrid reisten per Personalausweis - Reisepass
braucht man nicht. Auch die empfohlenen kleinen 5 Euro oder 1 $
Scheine waren überflüssig. Es wimmelt von Wechselstuben (Kantor), der Kurs
ist fast überall gleich und fair.
In Polen funktionieren die bei uns üblichen Handys, aber telefonieren damit
kostet richtig Geld. Wir haben uns daher am Kiosk polnische
Telefonkarten für die gelben Telefone gekauft, die überall an Hauswänden
montiert sind. Steckt man die Karte ein, hat man die Wahl, ob man
telefonieren will, eine SMS schicken oder eine E-Mail senden möchte. Von
einem öffentlichen Kartentelefon! Da könnte sich unsere Telekom manche
Anregung holen. Das Telefonieren per Karte ist in Polen besonders preiswert,
ich schätze etwa 1/10 des Handypreises.
Ist der Törn seglerisch anspruchsvoll? Eigentlich nicht. Die Häfen liegen
bis ca. 30 sm auseinander, und gegen evtl. herrschenden starken Gegenwind
hilft das sog. „Morgenhüpfen“: Da der Wind nachts oft einschläft und zumeist
erst gegen 10.00 Uhr aufbrist, läuft man beim Hellwerden aus und ist dann
lange vor Mittag im nächsten Hafen, wo man sich dann den besten Platz
aussuchen kann. Ebenso das „Abendhüpfen“: Bis nach 22 Uhr ist es hell, also
gegen 17 Uhr auslaufen bei abflauendem Wind. Rest motoren.
Sicherheit: Nie hatte ich das Gefühl der Unsicherheit. Allerdings schließe
ich das Boot wie in Deutschland oder Dänemark beim Verlassen immer ab.
Ob ich den Törn noch mal mache? Auf jeden Fall, aber erst mal nicht, denn
auf der Rückfahrt luchste mir ein anderer Skipper alle Seekarten und
Handbücher für 50 Euro ab. Vielleicht in 2 bis 3 Jahren noch mal!
Ludwig Michelsen „SY NUFFA“ ASC |