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       Die Schlei,

       unser Segelrevier ...


Ein Bericht aus dem Jubiläumsheft -25 Jahre MiYC- von unserem Umweltbeauftragten
und langjährigen Vorstandsmitglied,
dem Naturwissenschaftler und Arzt,
Dr. Dr.  Heinz-Eberhard Schlaak.

Als Segelrevier ist die Schlei eingebettet in eine wunderschöne Landschaft, die einem Vergleich mit den Boddengewässern Rügens oder mit den Fjorden und
Sunden Dänemarks gut standhält. In Beschreibungen wird sie als "Das Traumrevier für den Familien-Urlaub und den Ruhesuchenden" (Im Wind Nr. 3/1994) oder auch als "Ein Meeresarm wie vom Maler" (Yacht Nr. 17/1995) beschrieben. Als Seeschifffahrtsstraße hat sie schon lange gedient, bevor sie diese offizielle und rechtlich verbindliche Bezeichnung erhalten hat.
Eine Blütezeit in dieser Eigenschaft erlebte der 24 Seemeilen lange streckenweise flussartig anmutende Ostseearm, geprägt durch Engen (nur ca. 135 m) und Breiten bis zu 2 sm), mit Schilfbuchten, Nooren und Inseln, bereits vor über 1000 Jahren als Zufahrt zu der im nordeuropäischen Raum bedeutendsten Handelsmetropole Haithabu am innersten Winkel, dem heutigen Haddebyer Noor, gelegen. Von dort sind es dann nur noch 14 km über Land bis zur Treene bei Hollingstedt, von wo aus Anschluss über die Eider zur Nordsee bestand. So zogen es unsere segelnden Vorfahren, die Wikinger, für ihre offenen Boote vor, statt der gefährlichen Reise durch das Skagerrak um die nördliche Spitze Jütlands herum lieber das ruhige und geschützte Gewässer der Schlei zu befahren.
Diese strategische Bedeutung ging erst verloren, nachdem zwischen Lübeck und der Elbe der Stecknitz-Kanal erstellt worden war. Die in ihrer Form seither weitgehend erhaltene Schlei hat wesentliche Veränderungen nur im Bereich ihrer Einmündung in die Ostsee erfahren. Zur Zeit der Wikinger befand sich die Zufahrt sehr viel weiter im Norden, wohl zwischen dem heutigen Gut Oehe und Hasselberg in Verlängerung des heutigen
 Wormshöfter Noores. Als zunehmende Versandung ein Befahren dieser Ausfahrt erschwerte, wurde sie in das sogenannte Minn Loch südlich von Oehe verlegt, wo sie auf einer Karte von Meyer aus dem Jahre 1641 auch noch verzeichnet ist. Aber auch in diesem Bereich kam es im Laufe der Zeit zu ständig zunehmender Behinderung der Schifffahrt durch Ausbildung von Sandbänken. So maß die damals von Lotsen in jedem Jahr neu gesuchte und dann mit Priggen gekennzeichnete Fahrrinne im September 1773 an einer Stelle kaum noch vier Fuß (etwa 1,20 m) und war voller Steine. Auch nachdem man nach Rat der Kappelner Schiffer und Lotsen die Rinne unter großen Anstrengungen auf sieben Fuß (etwa 2,10 m) gebracht hatte, wurde diese beim nächsten Sturm aus Südosten wieder zugespült.
Dies war die letzte Anstrengung, die der Mensch zur Offenhaltung der alten Schleimündung unternahm, und der seit annähernd 2000 Jahren bestehende Versandungsprozess nahm seinen natürlichen Verlauf. Heute besteht hier keine Verbindung mehr mit dem offenen Meer. Im Jahre 1780 wurde dann die von Süden her in dieses Gebiet hineinragende Schönhagener Nehrungshalbinsel mit einem künstlichen Kanal durchstochen und im Laufe der folgenden Jahre befestigt. Der abgeschnittene Nordteil wurde zur Lotseninsel. Der damalige Besitzer des Gutes Oehe, der aus der westfriesischen Stadt Franeker in Holland stammte, deichte 1798 mit Hilfe von holländischen Landsleuten das Wormshöveder Noor mit einer Fläche von etwa 98 ha ein. Damit wurde Oehe (= Insel) zu einer Halbinsel. Später wurde dann von dort aus ein Damm nach Maasholm errichtet, wodurch der Fischerort eine feste Landverbindung erhielt. Begibt man sich heute auf dem Landwege nach Maasholm, so fährt man zunächst über den Wormshöveder Damm vorbei an dem Schöpfwerk und an der Abzweigung nach Maasholm Bad und gelangt dann an einen Gedenkstein, der an diese Deichbauarbeiten erinnert.
Neuzeit, Industrialisierung und zunehmender Landverkehr bleiben nicht ohne Folgen für die Schifffahrt auf der Schlei. Mit zunehmender Bedeutung der Eisenbahn als Transportmittel, nach dem Anschluss Schleswig-Holsteins an Preußen und der Erhebung Kiels zum Reichskriegshafen des Kaiserreichs, wurde im Rahmen der Errichtung einer Streckenverbindung von Kiel über Eckernförde nach Flensburg, die am 21 .12.1881 fertiggestellt wurde, auch eine 125m lange Eisenbahnbrücke über die Schlei bei Lindaunis in Betrieb genommen. 1925 wurde der Brückenzug über die Schlei erneuert. Dabei wurde die zuvor dort erstellte Drehbrücke durch eine Rollklappbrücke ("Bauart Scherzer") ersetzt. Heute tragen die damals erneuerten Überbauten zusätzlich eine Straßenfahrbahn. Als feste Brücke wurde die ehemalige Drehbrücke über den Kaiser-Wilhelm-Kanal bei St. Margarethen/Taterpfahl von der Eisenbahnverwaltung wiederverwendet, später jedoch abgebaut.
Die zweite Behinderung der Schifffahrt auf der Schlei, die durch den zunehmenden Landverkehr erforderlich wurde, ist die 1927 errichtete Drehbrücke in Kappeln. Heute hat die Berufsschiffahrt (außer im Tourismus) auf der Schlei kaum noch eine Bedeutung, dagegen ist der Boom in der Sportschifffahrt ungebrochen, und die Anzahl der Freizeitkapitäne nimmt ständig zu. So bleibt zu hoffen, dass diese wunderschöne Förde auch die neueste Entwicklung unbeschadet überdauern wird.
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